Gerbacher Geschichte

Besinnung -

-Zeugen der Vorzeit -

-Heimatliche Grundlagen -

-Die Michaelskirche zu Gerbach-

-Die Geschichte von Gerbach-

-Gerbach in der Weltliteratur-

-Die Deutung des Wappens von Gerbach-


--Besinnung-

Sommersonne liegt auf unseren Fluren. Die Schwalbe fliegt in pfeilgeschwindem Flug vorüber, über hellem Horizonte türmen sich weiße Wölkchen und in den Tälern duftet es nach süßem Heu. Wir nähern uns dem Gipfel des Jahres. Ein Jauchzen geht durch die Schöpfung. Vom "Steinhügel", zu dem ich aufgestiegen bin, geht der Blick weit in die Runde. Grün um Grün, soweit das Auge reicht! Bald ineinanderfließend wie Teppiche und Kranzgewinde, bald abgegrenzt nach Ackerbreiten, auf denen jetzt das Meer der Halme wogt. Welch eine Fruchtbarkeit auf diesen Höhen! Nur der Boden, auf dem ich stehe, liefert geringen Ertrag. Aber was kann er dafür? Auch wir können nicht um eines Haares Breite unserem Körper oder unseres Geistes Kraft erhöhen. Wir müssen von der Natur lernen und uns in ihre ewigen Gesetze fügen. Je mehr uns dies gelingt, desto näher kommen wir uns selbst und unserer irdischen Bestimmung. Aus der Horizontlinie des Donnersbergs ragt der Sendeturm, Sinnbild des raumüberwindenden, triumphierenden Menschengeistes. Wie zwergenhaft erscheint daneben nunmehr der alte Ludwigsturm! Dem Blickfeld entrückt, dem herzen so nahe! Bergkuppe schiebt sich hinter Bergkuppe, gleich den Kulissen eines großen Naturtheaters, von gewaltigen Urkräften hier hergerückt. Und vor dieser großartigen Szenerie liegt, vom Glanze der Mittagssonne überstrahlt, das kleine stille Dorf. Gerbach.

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--Zeugen der Vorzeit-

Drei Steinbeilfunde in der Nähe unseres Dorfes beweisen, dass unsere Heimat in prähistorischer Zeit schon besiedelt war. Gerbach liegt also auf uraltem Siedlungsboden, der, wie die in Dorfnähe vorüberführenden Höhenwege zeigen, vor Jahrtausenden bereits dem Verkehr entschlossen war. Der bekannteste dieser Wege kommt von Falkenstein und führt über Wittgenmark-Hoferhof in Richtung Kreuznach. Die entlang dieses Weges gemachten Bronzefunde bestätigen das sehr hohe Alter dieses Verkehrsweges.

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--Heimatliche Grundlagen- --


ausgewertet von Hauptlehrer Gauch am 25.10.1909



Das alte Gerbach- -



Die Straßennamen und ihre Wortbedeutung:- -


Das Dorf Gerbach liegt in einem Talkessel, der durch das Appelbachtal einerseits und das in dieses einführende Tal des "Gerbaches" andererseits gebildet wird. Die das Appelbach- oder "Münstertal" durchfließende Appel kommt vom Donnersberg und führt nordwärts; der in sie einfallende Gerbach kommt von Osten. Der die Talsohlen beider Bäche füllende Teil Gerbachs, des Dorfes, liegt in 250 m Meereshöhe. Höhergelegene Dorfteile sind der "Hirtenhügel" und einige Häuser an der Schneebergerstraße. Die Hauptstraße des Dorfes ist die durch das Münstertal führende Münstertalstraße. Sie ist Distriktsstraße und führt, soweit sie durch das Dorf geht, in ihrem nördlichen, also unteren Teil, den Namen "Hintergasse" und zwar von der Kreuzstraße beim Heinrich Heinz`schen Anwesen an gerechnet bis unten hinaus bei Dreher Hener Johann. In ihrem südlichen oder oberen Teil führt genannte Straße den Namen "Über der Brücke"; auch hört man eben so oft die Bezeichnung "Kirchengasse" oder "Würzweiler Straße". Diese Namen sind einfach genug, um sie sofort zu verstehen; führt sie doch; die Straße nämlich, über den Gerbach in Gestalt einer Brücke bei dem Dohn`schen und Jakob Wenz`schen Hause. An ihr steht die kath. Kirche und sie führt nach dem Dorfe Würzweiler. Diese Hauptstraße wird an der schon genannten "Kreuzstraße" durch eine andere Straße rechtwinkelig geschnitten, welche eben­falls Distriksstraße ist, nach Osten führt und in ihrem östlichen oder oberen größeren Teile, von der Kreuzstraße an gezeichnet, den Namen "Obergasse" führt. Die gerade Fortsetzung derselben nach Westen ist kurz, schmal und streicht bis an den Appelbach. Sie hat den Namen "Gäßchen", wohl auch "Tauben- und Enten- oder Buwegäßchen" und ist eine rechte "Druck-" und "Sackgasse". "Gäßchen" heißt es wegen seiner Schmalheit und Kürze; Zwischen Garten von Heinrich Heinz und Scheuer von Friedrich Steitz ist es so schmal, daß eine Wagenbreite genügt, es gänzlich abzusperren. Da die Abwasser aus den angrenzenden Höfen das "Gäßchen" hinuntersickern, auch wenig oder gar nichts getan wird zu seiner Verbesserung, so gleicht das "Gäßchen" insbe­sondere zur Regenzeit in seinem unteren Teile einem morastigen Sumpfe, darin mit Vorliebe die Enten herum­schnattern, die aus dem ganzen Bereiche des "Gäßchens" hier zusammenströmen, um weiter den Wasserlauf des Baches oder die angrenzenden Felder heimzusuchen; daher der Name "Entengäßchen". Eine bubenreiche Familie des Gäßchens, sowie die Vorliebe einiger anderer Familienmitglieder desselben Gäßchens für Taubenzucht, genügten dem Gerbacher Volkswitz, Volkshumor oder auch Volksspott dem Gäßchen den Namen "Buwe- und Taubengäßchen" beizulegen. Demselben Volkswitz verdankt die schon erwähnte Kreuzstraße den Namen "Römer", und wenn auch die wenigsten Bewohner den Römer und den Römerplatz in Frankfurt gesehen haben, so sagts doch einer dem anderen nach, und der Fremde wundert sich über den Gerbacher, der ihm so gerne bei Gelegenheit "eins aufbrennt" oder "aufhängen will" (mancher nimmts auch gläubig mit) und nannte ihn höchstens den "Klein-Pariser","Spötter" zum Danke für die Unterhaltung. Dieser humorvolle Spott, dem nichts ferner liegt als Beleidigung, ist gemeint, wenn es in dem Sprüchlein heißt:


"Wer durch Falkenstein geht und spürt kein´ Wind,

durch Würzweiler fährt und sieht kein Kind,

durch Gerbach und wird nicht verspott´

der hat groß Gnad bei Gott."


An die Kreuzstraße grenzt der "Judenhof", ein Komplex von aneinandergebauten alten Häusern, von denen das des Herrn H. Weber eine Ausnahme macht, weil sein Neubau das alte Haus verdrängt hat. In den 50ger Jahren des 19. Jahrhunderts hat eine jüdische Familie darin gewohnt, daher der Name. Der Jude "Jageff" wohnte in dem jetzigen Laubenstein`schen Haus. Noch ein anderer Jude "Seser" wohnte an dem Platze, wo jetzt das Kaufmann Dohn`sche Haus steht. Sein Name war "Schwarz", seines Zeichens Metzger. Auf dem Ortsteil "Hirtenhügel" führt die gleichnamige Straße auf den "Hewel", nach Osten zwischen Althohlgewann und Gehenberg unter dem Namen "Althohlerweg" und nach Süden unter der Bezeichnung "Alzeyerberg" (Alserberg) gegen Ruppertsecken zu verlaufend. Seitdem dort, wo der "Hewelerweg" an die Hauptstraße abbiegt, am 70. Geburtstage unseres Prinzregenten (am 12. März 1891) eine "Luitpoldlinde" gepflanzt ist, kann man die Bewohner des Hügels ihre Straße auch "Luitpoldstraße" nennen hören und den freien Platz an der Linde "Luitpoldsplatz". Bauern wohnen keine oder doch nur zwei kleine auf dem Hügel; aber Ziegen, schöne weiße, gibts dort eine Menge. Jeder Geißbub ist ein "Hirte". Und als in früheren Zeiten von Gemeindewegen die Schweine und die Gänse ausgetrie­ben wurden, da versahen diese Ämter mit Stolz jeweils Hirten vom "Hirtenhügel".

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--Die Michaelskirche zu Gerbach- --


von Hugo Krantz, Kurat in Ruppertsecken:


Am 11. Oktober 1780 machte Franziskanerpater Christophoros Henrich von Bayerfeld in seiner Eigenschaft als Lokalkaplan von Gerbach unter dem Pfarrvorstand P. Victorianus Henrich von Bayerfeld mit dem Maurermeister Nikolaus Fuchs von Winnweiler einen aufrichtigen Akkord, um die zu Gerbach zu erbauende Kirche fertig zu machen und zu Stande zu bringen.

Das Gotteshaus wurde mit 2.892,18 Gulden gebaut. Steinbrecher waren: Gabriel Uhl, Valtin Storg, Jakob Leidinger von Gerbach. Sie wurden unterstützt von Jakob Hutmacher, Heinrich Weber, Jakob Herrgen, Valtin Steitz, Jakob Steinmetz und Johann Luth.

Nach Johann Nikolaus Fuchs aus Winnweiler bauten Peter Schuler von Schweisweiler und Franz Eckhard. Die Steinhauerarbeit besorgten Jakob Uhl und Sohn Johann Adam Uhl von Gerbach. Die Ziegeln für das Dach lie­ferte Georg Heinrich Kendel von der Wambach, das Hundert kostete 50 Gulden und 30 Kreuzer. Die Schmiedearbeiten leistete Johann Karl Müller für 17 Gulden 44 Kreuzer. Die Nägel lieferte Peter Weber von hier. Schlosser war Meister Wendel von Rockenhausen.

Am 14.4.1886 wurde der Turm für baufällig erklärt und am 26/27.4.1886 (Osterdienstag und Mittwoch) von Zimmermann H. Brendel von Rockenhausen und Schiefermeister Johann Schiel aus Niedermoschel für 150 Mark Akkordlohn bis über den Glockenstuhl abgehoben und mit einem Notdach versehen. Ende des Jahres 1895 hatte man 5.933,19 Mark Turmbaufonds und am 1.11.1897 wurde in der Pfalz eine Kollekte erhoben, die nochmals 2.990,18 Mark ergab.

Architekt Schulte aus Neustadt an der Haardt entwarf einen Plan, der den Turm an die Straßenseite gezeichnet hatte, entgegen dem früheren Vorhaben ihn in den Merle`schen Hof zu stellen. "Der Fabrikrat verpflichtete sich durch sein Mitglied vom Schneebergerhof und den Ortspfarrer, durch das Einverständnis der Gemeinde, den Turm 50 cm über die Baugrenze hinaus errichten zu dürfen, die Reparaturkosten für die Bachmauer zu tragen."

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--Die Geschichte von Gerbach- --





Die früheste Geschichte unseres Dorfes Gerbach ist in Dunkel gehüllt. Jedenfalls sind seine ältesten , frühesten Bewohner, wie überhaupt unserer Nordpfalz die Kelten gewesen. Sie wurden durch das Eindringen germani­scher Völkerschaften, Nemeter und Wangionen (Keltenwall auf dem Donnersberg) gegen Westen vertrieben. Die Hauptstadt der Nemeter war Speyer, die der Wangionen Worms und der letzteren Gebiet erstreckte sich über die ganze Nordpfalz bis etwa an die Nahe. Etwa um das Jahr 60 v. Chr. Geburt verbanden sich Nemeter, Wangionen und wohl noch einige andere germanische Stämme und drangen westwärts in Gallien ein. Hier stie­ßen sie mit den Römern zusammen. Der Leiter der römischen Verwaltung in Oberitalien, der Feldherr Julius Cäsar, erkannte mit Scharfblick, daß ein mächtiges Volk auf den Schauplatz der Geschichte getreten sei und zauderte keinen Augenblick, diesem Volke entgegenzutreten und es zu besiegen und so sehen wir um diese Zeit Germanien links des Rheins unter römischer Herrschaft. An diese werden wir in Gerbach durch die sogenannte "Hochstroß, Straße" erinnert, welche von Falkenstein aus über Forsthaus "Wittgemark" durch Würzweiler und Gerbacher Gemarkung nach "Hoferhof", "Schmalfelderhof", über den Spannagel nach Winterborn und Kreuznach führte. Unsere Nordpfalz hat etwa 400 Jahre unter römischer Herrschaft gestanden und mancherlei Wohltaten und Segnungen aber auch Nachteile und Bedrückungen derselben erfahren. Die Römer wurden in der Herrschaft durch die Allemannen abgelöst, welche sich ungefähr 100 Jahre in der Pfalz behaupteten. Die Jahre ihrer Herrschaft waren Jahre der Not und des Jammers, der Bedrückung und Barbarei, überdies noch we­sentlich erhöht durch die Hunnen, welche sich sengend und brennend unter Attila in die linksrheinischen Lande ergossen und erst im Jahre 451 über den Rhein zurückgeworfen werden konnten. Die Erinnerung an jene Schreckenszeit lebt in der Sage fort. Mit Hab und Gut, so erzählt sie, flüchteten sich die Bewohner der Donnersberger Gegend und der nahen Flußtäler der Pfrimm, Appel und Alsenz vor den wilden Hunnen, die vom Rhein her durch genannte Täler gegen Westen strömten, und dann, bei Chalons 451 geschlagen, wieder zurückfluteten, in die Schluchten und Wälder des Donnersberges, um sich vor ihnen sicher zu verstecken; aber sie wurden aufgespürt und grauenhaft niedergemetzelt (Mordkammer). Eine wohl­tätige Änderung trat erst durch die Franken ein. Nachdem Chlodwig die auch in die Pfalz vordringenden Allemannen bei Zülpich im Jahre 496 (Albig bei Alzey) geschlagen hatte, kam unsere Gegend unter fränkische Botmäßigkeit und so wurden die früheren burgundischen und allemannischen Gebiete mit fränkischen Arten und Niederlassungen auf "bach", "berg", "dorf", "hausen", "heim", "born", "statt" , "rot", "feld", besiedelt. So scheint mir Gerbach eine fränkische Siedlung zu sein, worauf das Grundwort "bach" hinweist. Ob das Bestimmungswort "Ger" mit Spieß, einer Waffe der alten Germanen, oder mit "Berg und Wald", oder aber mit Gerte (Rute) = Gertenbach (tatsächlich heißt der Bach, an dem der Ort liegt, auch Gerbach) zusammenhängt, das kann ich nicht entscheiden.

Das von den Franken eroberte Gebiet (wohl das alte römische Obergermanien mit der Hauptstadt Mainz), das sogenannte rheinische Herzogtum Franzien, wurde in 24 Gaue eingeteilt, von denen linksrheinisch 3 lagen, nämlich der Speyer-, Worms- und Nahegau. Zu letzterem, dessen Grenzen etwa im Norden der Rhein, im Westen der Hunsrück, im Südwesten Kaiserslautern (der pfälzische Westrich) und im Südosten die Pfrimm bil­deten, gehörte auch die Nordpfalz, also auch Gerbach.


Urkundlich erscheint Gerbach erstmalig in einem Verzeichnis des bolandischen Allodialbesitzes. Als Kaiser Heinrich V. im Jahre 1116 nach Rom zog, setzte er seinen Neffen, den Herzog Friedrich von Schwaben zum Reichsverweser ein. Dieser empfing salische Güter, die fortan beim hohenstaufischen Hause blieben. Friedrich erbaute zahlreiche Burgen und brachte aus Schwaben ritterliche Dienstmänner an den Rhein, die er mit Gütern belehnte. Einer dieser Dienstmänner hieß Werner von Bolanden, der am Fuße des Donnersberges, wo seine Lehen lagen, um das Jahr 1120 eine Burg Bonlanden erbaute, die aber heute bis auf wenige Reste spurlos ver­schwunden ist. In der Nähe erhob sich später die Burg Neu-Bolanden (Zink). Die Bolander Herren waren reich begütert. Sie besaßen Güter im Enz-, Speyer-, Worms-, Nahe- und Rheingau zu Mainz, sowie in der Wetterau, wie die Haupturkunde der rheingräflichen Besitzungen vom Jahre 1220 besagt. In dieser Urkunde ist ein au­thentisches Verzeichnis der bolandischen Allodien enthalten, nach welchem die Bolander im Nahegau Güter in den Dörfern Hohenfels, Wambach, Gutenbach, Gerbach und St. Alban besaßen. Dieser Werner I. ist der Stammvater der Herren von Bolanden und der Erbauer des Nonnenklosters Rodenkirchen (1160). Um 1164 zo­gen die Mönche des Klosters Haun nach Rodenkirchen und umgekehrt die Nonnen von Rodenkirchen nach Haun. Werner II. (1134 -1198) war einer der reichsten Ritter seiner Zeit. Er erscheint um 1177 als Landeshauptmann am Donnersberg. Die 1130 vom Erzstifte Mainz belehnten Bolander fügten ihrem Wappen das Mainzer Rad (aus der Mainzer Stiftsfahne) bei; auch die Herren von Hohenfels und Falkenstein führten dasselbe Wappen; daraus resultiert wohl ihre gemeinschaftliche Abstammung.


Ebenso besaßen die Bolander in ihrer Eigenschaft als Reichministerialen mehrere Lehen, welche auf dem Seniorate des Gesamthauses sich forterbten und sowohl vom deutschen Reiche, als auch von den Hochstiften Mainz und Worms, von den Pfalzgrafen, Herzögen zu Lothringen, Brabant usw. herrührten. Die Klöster Kirchheimbolanden, Münsterdreisen, Enkenbach; Marienthal etc. verehrten die Bolander als Schirmvögte und Beschützer. Im Laufe der Jahre scheinen viele Herrschaften, darunter vor allem die Raugrafschaft Altenbaumburg durch Heiraten mit den Bolander Besitzungen vereinigt worden zu sein. Andererseits brachten die öfteren Erbteilungen, Verkäufe und Verpfändungen, insbesondere auch die durch die Erbtöchter veranlaßten vielfachen Zerstückelungen, die Herrlichkeit des alten Hauses Bolanden so herunter, daß die letzten Bolander gegen Ende des 14. Jahrhunderts (1371 - 1381) ihre bolandischraugräflichen Schlösser an die Kurfürsten von der Pfalz verkauften und sich nun von allem Lande und zugleich vom Reichserbentruchseßamt entblößt sahen.


Denn auch die Herren und Raugrafen von Altenbaumburg waren keine guten Haushalter und Wirtschafter. Ein Nachkomme des Raugrafen Ludwig, der 933 auf der Schmidtburg (b. Kirn) starb, war Konrad I., der 1138 der Krönung Konrad III. beiwohnte. Dessen (Konrad I.) zwei Söhne Konrad II. und Heinrich wurden Gründer, er­sterer der raugräflichen Linie von Altenbaumburg, letzterer von Neubamberg (Fürfeld, Hessen). 1354 starb er­sterer im Namensstamm aus. Unter Philipp II. wurde unter dem Titel Raugraf von Alt- und Neubaumburg der gemeinsamen Besitz weitergeführt.

"Er verpfändete 1372 ein Viertel von Rockenhausen an den Erzbischoff Gerlach I. von Mainz und damit beginnt für Rockenhausen eine Periode, in der fast 100 Jahre lang ein Stück um das andere von ihm von seinem einsti­gen Besitzer verpfändet, verkauft, wieder zurückerworben und wieder versetzt wurde, bis schließlich der ganze raugräfliche Besitz dauernd in die Hände der Kurpfalz überging und damit auch allmählich geregeltere Verhältnisse und eine sorgfältigere Pflege und Verwaltung eintraten." (Nordpf. Gesch.Bl. 1905, S. 52).


Was hier von Rockenhausen besonders angeführt wird, gilt wohl auch für Gerbach, denn wenn Hoffmanns-Chronik von Kriegsfeld recht hat, so gehörte auch Gerbach zum raugräflichen Besitz. Folgende 26 Orte gehör­ten nach dieser Quelle dazu: Altenbaumburg, Niederhausen, Mörsfeld, Kriegsfeld, Münsterappel, Winterborn, Kalkofen, Oberhausen, Gaugrehweiler zur Hälfte, St. Alban, Gerbach, Würzweiler, Ruppertsecken, Hochstätten, Alsenz, Oberndorf, Stolzenburg, Cölln, Bayerfeld, Steckweiler, Steingruben, Dielkirchen, Rockenhausen, Imsweiler, Gundersweiler und Gehrweiler.

"Der Kurpfalzverweser Otto (für Ludwig IV.) belehnte im Jahre 1437 seinen Namensvetter, den Raugrafen Otto, aufs neue mit der Raugrafenschaft Alt- und Neubaumburg als erblichen Namenslehen und übertrug ihm auch zugleich lehensweise die kurpfälzische Hälfte von Rockenhausen, ferner die Dörfer Gundersweiler, Gehrweiler, Katzenbach, Rußweiler (ein Dorf, heute Hof), Gehrbach, Gundersheim und Quensheim (Ensheim bei Wörrstadt), ebenso den kurpfälzischen Teil von Schweinsweiler (Schweisweiler) und Flonheim u.a.m."

(Nordpf. Gesch.Bl. 1905, S. 59).

Aber auch diese neue Belehung und Rehabilitierung vermochte den unvermeindlichen finanziellen Ruin des raugräflichen Hauses nicht aufzuhalten, noch den verschwenderischen Sinn seines Hauses zu ändern. Noch in seinem Todesjahr 1457 verkaufte er um 4000 fl = 26.000,-- M den letzten Rest seiner einstigen Burgen und Dörfer an Friedrich, den Neureichen v.d. Pfalz und verzichtete auf die Wiedereinlösung für sich und seine Erben. Es ist schwer begreiflich, wie ein Familienvater so handeln und systematisch den Grund zur gänzlichen Verarmung seines einst vornehmen, reichbegüterten und hochansehnlichen Geschlechts legen konnte, wie die­ser letzte Raugraf Otto von Alt- und Neubaumburg es getan hat. Seine 3 Söhne aus zweiter Ehe, Engelbert, Georg und Reinhard fochten, aber vergeblich, ihres Vaters Testament an und protestierten gegen den Verkauf, aber alles war umsonst. Georg fiel in der Schlacht bei Seckenheim 1462. Reinhard geriet bei der Eroberung von Ruprechtseck (Ruppertsecken) 1470 in Gefangenschaft und Engelbert, der bis 1503 in Urkunden noch als Herr von Alt- und Neubaumburg existiert, verschwindet zuletzt spurlos aus der Geschichte. Die raugräflichen, bo­landischen Güter, soweit sie nicht an die Kurpfalz fielen, scheinen an die aus dem bolandischen Hause stam­menden Falkensteiner übergegangen zu sein, denn Gerbach gehörte zum Teil und später wohl ganz zu Falkenstein.


Das Alzeyer Weistum vom 8. Oktober 1589 sagt: "Es höret auch zu der Pfalz und rügen vier Schöffen aus; Rockenhausen, Hupholz, Rudeswilre (Rußmühle), Werzwilre (Würzweiler), Gerbach dieseits der Bache, Gunderswilre etc. ..... Es soll auch und ist erhuldig der Scheffen jehlicher (jeglicher) den Pfalzgrafen zu hel­fen, als, daß er bei Nacht wieder nach Hause komme." Nach dieser Urkunde gehörte also zur Churpfalz alles was rechts der Appel (falsch Braunbach) lag. Der linksseitige Besitz war wohl den Falkensteinern und die Burggrafen von Alzey übten im Namen des Kurfürsten die höhere Gerichtsbarkeit aus. Jetzt wird auch die Bedeutung der Gewannennamen rechts der Appel, nämlich Hofacker, Alzeyer Berg, Alzeyerwiesen und Alzeyerwäldchen, sowie Herrenäcker klar. Der pfälz. Teil wurde als Lehen an Adelige gereicht, Kurfürst Ruprecht I. (als Pfalzgraf Ruprecht II.) verkaufte 1390 an Emrich und Syfried von Löwenstein 12 Morgen Wiesen und 8 Morgen Äcker bei der Feste Ruprechtseck in Gerbacher Gemarkung um die Summe von 133 Gulden. 1396 übergab Syfried von Wartenberg, genannt v. Wildenstein, seiner schwächlichen Gesundheit hal­ber, dem pfälzischen Kurfürsten Ruprecht II. seine Gerichte, Dörfer und Leute zu St. Alban, Gerbach und Steinbach. Nach einem Generalregister der Einnahmen des Hauptklosters St. Maximin vom Jahre 1484 waren dem Kloster zu Münsterappel zinspflichtig unter anderem: Gerbach 1 mansus zu 90 Morgen das eine Jahr 14 denare, das andere 13 denare (ca. 4 Mark). Im Jahre 1665 zählte Gerbach neben 64 falkensteini­schen Bewohnern, ritterschaftlicherseits 51 kurpf. Wildfänge. Wildfänge waren Personen, die keinen nachfolgenden "Leibesherrn" hatten und deren Heimatrecht nicht erwiesen war. Nach altem Herkommen galten sie als Leibeigene des Kurfürsten von der Pfalz und zwar nicht nur in seinem eigenen Land, sondern in allen geistli­chen und weltlichen Gebieten der Nachbarschaft. Fast sämtliche Orte der Nordpfalz zählten mehr Wildfänge als Eingesessene. Die Wildfänge wurden stark besteuert. Im Ganzen betrug der Jahresvertrag des Wildfangrechts aus nichtpfälzischen Orten im Jahre 1665 für die Kurpfalz 53.737 fl. s.d. 12% aller Einnahmen. (Nordpf. Gesch.Bl. 1909, S. 82).



-Gerbach unter falkensteinischer Herrschaft- --


Ein Felsen Falkenstein am Donnersberg wird in der deutschen Geschichte schon früh genannt. Es ist zwar nicht bestimmt nachzuweisen, aber sehr wahrscheinlich ist:

Werner II. von Bolanden und seine Gemahlin Guda von Hohenfels hatten 2 Söhne, den nochmaligen Werner III. von Bolanden und Philipp; letzterem fiel die Herrschaft Falkenstein zu, da die Bolander Lehen, weil erblich, in mehrere Teile geschieden wurden. Wie die alten Lehensleute der Herren von Falkenstein, sogenannte Burgmannen, nannten sie sich nach der Veste, so 1135 Siegsbold von Valkenstein, 1173, 1184 und 1185 aber Hunfried und Heinrich, Gebrüder von Valkenstein.

Obengenannter Philipp I. starb ohne Erben, d.h. kinderlos 1202. Nun folgte Philipp II., ein Sohn Werners III. von Bolanden, also Neffe des verstorbenen. Philipp I.. Mit ihm beginnt die Reihe der Falkensteiner Grafen. Durch Heirat brachte er die Güter der Herren von Münzenberg an der Lahn, in der Wetterau, am Rhein und am Main an sein Haus und damit zugleich das ehrende und einträgliche Amt eines Erbkämmerers für Deutschland. Als in der "kaiserlosen, schrecklichen Zeit" kein deutscher Fürst deutscher Kaiser werden wollte und man in­folgedessen 2 Ausländern die Krone um schnödes Geld verkaufte, da kam im Jahre 1269 der eine davon, Richard von Kornwallis, nach Deutschland, erneuerte in Worms den Landfrieden, wodurch er dem rheinischen Städtebunde, der dem Raub- und Feldverlust der rheinischen Ritter einen Riegel vorschieben sollte, seinen Schutz zusagte. Es zeugt für den guten Sinn unseres Falkensteiner Philipp II. (als Graf Philipp I.), daß er sich mit anderen Edlen dem Beschützer des Ritterbundes, dem Pfalzgrafen Ludwig dem Strengen, unterstellt hatte und Richard bestellte ihn als Bürge für die Ordnung im Lande. In demselben Jahr 1269 vermählte sich Richard mit der Tochter Philipps (Jutta? oder Bertrix, soll ein Ausbund von Schönheit ge­wesen sein). In Kaiserslautern wurde das glänzende Hochzeitsfest gefeiert. Philipps II. (I.) Nachfolger wurde sein Sohn, Philipp III. (II.), der um 1277 ebenfalls als kaiserlicher Hofkämmerer erscheint und das kaiserliche Lehen zu Gelnhausen erhält.


Bevor im folgenden einige der bedeutsamsten Vertreter des Falkensteiner Geschlechts vorgeführt werden, sol­len die engen Beziehungen der Falkensteiner zum Erzbistum Mainz, zu dem sie mehrfach im Lehenverhältnis standen, berührt werden. Diese Beziehungen erklären es auch, daß die Falkensteiner in ihrem Wappen das Mainzer Rad führten, aber nicht wie die Erzbischöfe ein silbernes in rotem Felde, sondern ein solches in blauem. Die Bolander hatten ein rotes Rad in goldenem Felde. Das Rad hatte nicht 8, sondern 6 Speichen. Die Räder befanden sich im Feld 1 und 4, also rechts oben und links unten (vom Wappen und nicht vom Beschauer aus gezählt).


Die Herrschaft von Falkenstein bestand aus folgenden Ortschaften: Winnweiler, Hochstein, Imsbach, Schweisweiler, Lohnsfeld, Potzbach, Hüringen (Höringen), Gerbach, St. Alban, Obergaugrehweiler (die rechte Seite), Gutenbach (der heutige Gutenbacherhof), wo eine kleine Burg stand "Roth bei Kriegsfeld", ferner 9 Dörfer im heutigen Rheinhessen, sowie später Jakobsweiler, Hanweiler (Hanweilerhof), Börrstadt und Alsenbrück. Mit den Herzögen von der Pfalz = Zweibrücken teilten sich die Falkensteiner die Herrschaft Stolzenberg mit den Dörfern Dielkirchen, Steckweiler, Bayerfeld, Cölln und Steingruben. Bei Trippstadt besaßen sie mit den Herren von Flörsheim die Burg Wilenstein, bei Mainz geboten sie eine Zeit lang über Hechtsheim und Weisenau. Nicht zu vergessen das verschwundene Dorf Roth b. Kriegsfeld. Die Würde eines Erbkämmerers blieb bei Falkenstein, aber unter einigen Nachkommen wurde der reiche Besitz des Hauses schwer überschul­det. Hierbei zeichnete sich besonders Philipp VI. von Falkenstein aus, der bei den reichen Juden von Frankfurt soviel geliehen hatte, daß er 1373 bei seinem Vetter, dem Kurfürsten und Erzbischof Kuno von Trier 4.000 Mainzer Goldgulden aufnahm, um erstere Schuld zu tilgen. In einer Fehde mit den Herren von Reiffenberg wurde er mit seinen Söhnen gefangengenommen, er aber starb 8 Tage darauf an den Folgen eines Sturzes vom Pferd (1375).Nur gegen das für damalige Zeit ungeheure Lösegeld von 10.500 fl. konnten die jungen Falkensteiner Freiheit und Besitztum in der Wetterau und im Taunus zurückkaufen. Der Tatkraft der verwitwe­ten Gräfin Agnes gelang es mit Unterstützung des Erzbischofs von Trier, nicht nur die gefangenen Kinder zu lösen, sondern sich auch bald an den Herren von Reiffenberg zu rächen; denn 1376 hören wir, daß sie ihre Feinde gefangen nehmen ließ, so daß diese Urfehde schwören, d.h. eidlich versichern mußten, mit den Münzenbergern (Falkensteinern) keinen Streit anzufangen. Ein gefährlicher Raubritter, ein Genosse der Reiffenberger, mußte sogar eine besonders feste Urfehde schwören.

Einer der bedeutendsten Männer seiner Zeit, war der eben erwähnte Erzbischof und Kurfürst von Trier, Kuno von Falkenstein. Lehmann sagt über diesen S. 85 seiner Geschichte von Falkenstein: "Kuno besaß nicht nur kriegerischen Geist, Mut und Körperkraft, sondern auch Einsicht in die Kriegskunst, sowie Mäßigung, Weisheit und Klugheit in der Ausführung kühner Entwürfe; er war ein gewandter Staatsmann und zugleich ein milder Regent. Auch liebte er Pracht und Aufwand. Doch mit der Prachtliebe und seinem bedeutenden Aufwand ver­ei­nigte er andererseits auch wieder die größte Sparsamkeit. Er sammelte solche beträchtliche Schätze, daß gar viele seiner Zeitgenossen, welche die Handlungen dieses weisen und einsichtsvollen Mannes sich nicht enträt­seln konnten, ihn für einen Zauberer und Geldmacher hielten".

Kuno war mehr Ritter als Geistlicher, auch äußerlich trat das hervor. Als ehemaliger treuer Anhänger des 1347 verstorbenen Kaisers Ludwig des Bayern war er ein Gegner Karls des IV. Bei einer öffentlichen Feier zu Ehren des Kaisers erschien Kuno in der Tracht seiner Zeit statt im geistlichen Gewande. Besonders mißfiel dem Kaiser aber der prächtige Kopfputz. Während der glänzenden Versammlung nahm Karl IV. dem Falkensteiner den Kopfputz ab, setzte ihn sich selber auf und fragte die Versammlung, ob sich solcher Schmuck für einen Prälaten zieme (Kuno war nämlich zuerst, um das väterliche Besitztum nicht noch mehr als bisher zu zersplit­ten, Domscholaster und Probst des Frankfurter Bartholomäusstiftes gewesen, dann Stiftsverweser von Mainz, wo er ein großer Gegner des päpstlichen Kandidaten Gerlach von Nassau und Befürworter des kaiserlichen Kandidaten Heinrich von Virenberg war. Nach dessen Tode kaufte sich ersterer doch den Erzstift um 400.000 fl. und Kuno wurde Domherr, Verweser und zuletzt Erzbischof von Trier).

Der Vorgang mit dem Kopfputz war der Anlaß, daß den Mainzer Geistlichen bei hoher Strafe verboten ward, fürderhin weltliche Kleidung zu tragen. Die Stadt Trier hätte sich gern zur freien Reichsstadt gemacht und da­her den bischöflichen Lasten entzogen; es kam zu einer schweren Fehde; trotzdem sich der Herzog von Lothringen hineinmischte, blieb Kuno Sieger und Karl IV., sonst ein großer Städtefreund, entschied zugunsten des tapferen Erzbischofs, wohl deshalb, weil er denselben seiner Pläne brauchte. Kuno sollte 1371 Erzbischof von Mainz, also Primas von Deutschland kaiserlicher Kanzler werden; aber er schlug die höchste Ehre, die ei­nem deutschen Kleriker teilwerden sollte, aus. Als Verwalter des Kölner Erzbistums schlug er die Wahl zum Erzbischof aus und nannte sich nur Generalvikar von Köln. Dafür brachte er einen Verwandten, den Grafen Friedrich von Saarwenden, auf den Kölner Stuhl. Seinen Neffen Werner von Falkenstein ernannte er zum Domherrn in Trier und zum Probste des St. Florianstiftes zu Koblenz und setzte auch dessen Wahl und Bestätigung zum Trierer Erzbischof durch. 1388 zog er sich auf sein Schloß Wittlich zurück und starb schon nach einigen Wochen. Er liegt in der Kirche zum heiligen Castor in Koblenz begraben. Als ein kriegstüchtiger, staatskluger Mann hatte Kuno viele seiner Zeitgenossen überragt. Auf die Geschicke Deutschlands, insbeson­dere die der Rheinlande, übte er den wohltätigsten Einfluß aus. Seine Zeit ist die Glanzzeit des Falkensteiner Hauses. Trotz Widerstand der Domgeistlichkeit trat sein Neffe Werner, Erzbischof von Trier, die Regierung ei­nes wohlgeordneten Staatswesens an. Reichtümer waren genug vorhanden, aber Werner erreichte Kunos Macht und Weisheit nicht. Er belagerte 1389 die Stadt Oberwesel, wo er die ersten sogenannten Donnerbüchsen, mächtige böllerartige Feuerwaffen anwandte. Mit seinen Reichtümern nicht zufrieden, verlagerte er sich auf die Goldmacherkunst und soll 30.000 Goldgulden dabei eingebüßt haben. Da er der letzte seines Geschlechts war, vereinigte er mit seinem weiten Erzbistum die Falkenstein-Münzenbergischen Besitzungen, die er vom Kaiser und Kurfürsten Rupprecht von der Pfalz als Lehen empfing. Die Reichs-Erbkämmererstelle fiel aber an das Haus Weinsberg. 1418 starb er als er dem Erzbischof von Köln, Dietrich, gegen die Kölner zu Hilfe eilte und liegt ebenfalls in der Kirche zum heiligen Castor in Koblenz begraben. Das Falkensteiner Land fiel an die Erben weiblicherseits, an die Herren von Virenberg, deren Herrschaft jedoch nur wenige Dezenien dauerte.


Unter den erbberechtigten Nachkommen der letzten Falkensteiner sind besonders zu nennen die Gebrüder von Eggenstein und die Kinder des Grafen von Solms. Die Mütter beider Adelshäuser waren aus Falkensteiner Geschlecht. Die Gebrüder Eggenstein wollten nur 2 Teile aus dem Falkensteinischen Besitz, die so verteilt wer­den sollten, daß beide Eggensteiner die eine Hälfte, die Solmser Grafen aber zusammen (es waren 5 Erben von dieser Seite) die andere Hälfte empfängen. Die Eggensteiner suchten also ihren Vorteil und hatten es mehr auf die ehemals Münzenbergischen Güter abgesehen, die im Taunus und in der Wetterau lagen. So wäre leicht ein Krieg der beiden Familien heraufbeschworen worden. Aber ein friedlicher Vergleich kam 1418, als Werner von Trier starb, zustande und die Eggensteiner Familie erhielt 1/3 der Herrschaft, die 5 Erben des Grafen von Solms wurden mit 2/3 bedacht, die nun in 5 weitere Anteile zerlegt wurden. Ein Solmser Erbe, Graf von Virenburg, der eine Tochter des Grafen von Solms zur Gemahlin hatte, erhielt nach Werners Tode für seinen Sohn Rupprecht das Falkensteiner Land am Donnersberg und wie einst die Grafen von Bolanden sich nach der Teilung, soweit sie Falkenstein besaßen, Herren von Falkenstein und später Grafen von Falkenstein nannten, so legten sich die in Falkenstein regierenden Virenburger denselben Namen zu. Der Name also verschwand nicht aus der Geschichte. Außer Land und Leuten am Donnersberg erhielt der Virenburger die Hälfte von Pfeddersheim bei Worms. Aus dem Geschlechte der Virenburger ist der Erzbischof Heinrich von Virenburg be­kannt, ein Freund Kunos und des Kaisers.


Rupprecht der I. von Falkenstein-Virenburg mischte sich in die zu seiner Zeit währenden Streitigkeiten in dem Bistum Trier ein, nachdem er seinem Freund Ulrich von Manderscheid zum erzbischöflichen Rechte daselbst verholfen hatte. In seinen Fehden gegen die widerspenstigen Trierer führte er eine Jungfrau im Stahlkleide mit, die gleich der Jungfrau von Orleans, die Falkensteiner Ritter und Knechte zum Kampfe begeistern sollte; aber niemand schenkte der Prophetin, die nur eine plumpe Nachäffung der Jeanne d`Arc war, Glauben. Die berüch­tigten Kölner Dominikaner und Ketzerrichter machten sie unschädlich, indem sie die Jungfrau gefangen hielten.


Da Rupprechts Gemahlin mütterlicherseits auch von den Falkensteinern abstammte, vereinigte derselbe einen großen Teil des Falkensteinischen Besitzstandes unter sich. Rupprecht hinterließ, da seine Söhne vor ihm star­ben, nur 2 Enkel, von diesen beiden wurde Wilhelm, Graf zu Virenburg, Herr zu Falkenstein, während sein Bruder die Herrschaft zu Virenburg bekam. Auf den Falkensteiner Besitzungen ruhten sehr hohe Schulden, man spricht von 25.498 Gulden. Dies veranlaßte Wilhelm von Falkenstein 1456 sein Land an den Raugrafen Wyrich von Dhaun zu verpfänden. Er selber behielt sich, da er schon im vorgeschrittenen Alter war, eine Leibrente von 4.500 Gulden vor. Seine zweite Tochter, Margarethe vermählte er an Wyrichs Sohn Melchior von Dhaun. Mit diesem Melchior von Dhaun beginnt die lange Reise der Grafen von Falkenstein-Bruch, die teils in der Kirche zu Otterberg und teils in der zu Marienthal begraben liegen. Besonders sei an dieser Stelle an die prächtigen Grabmäler in Marienthal erinnert. Melchior von Dhaun (Herr zu Falkenstein und Oberstein) stiftete eine wö­chentliche Messe, die von den Mönchen des Klosters auf dem Donnersberg, die St. Paulstift, sonntags abgehal­ten wurde. Er dürfte der Falkensteiner gewesen sein, der in jener Volkssage vorkommt, zu welcher der bekannte Stein "Melchior, wie du willt" Anlaß gab. Der Stein steht im hintersten Teil des Gartens beim Eisenwerk Hochstein, bedeckt von Efeu und dem Verwittern nahe. Die Bedeutung des oder der Steine, es sollen mehrere mit dieser Inschrift gewesen sein, kennt man nicht, daher die Sage. Vielleicht war es der Wahlspruch des tapfe­ren Ritters, da solche Sprüche damals üblich waren. Ein Sohn Melchiors hieß Wyrich von Falkenstein, der als Reichsfeldherr gegen die Wiedertäufer in Münster gezogen war. Er belagerte und eroberte 1536 diese Stadt. Besagter Wyrich III. erließ eine Erbordnung, nach welcher beim Abgange männlicher Erben in einer der 3 Linien (er hatte 3 Söhne), der Anteil derselben an die anderen fallen sollte.


1. Philipp, der älteste Sohn, erhielt das Schloß Broich v. Bruch im

Herzogtum Jülich mit Zubehörungen


2. Johann, erhielt den Falkenstein


3. Sebastian, Gemahl der Wildgräfin von Salm, erhielt die Burg Oberstein


Gerbach gehörte zur Herrschaft Johanns, der im Falkensteiner Lande die Reformation einführte und dessen prächtiges Grabdenkmal mit lebenswahrer figürlicher Darstellung noch jetzt in der protestantischen Kirche zu Marienthal steht. Ausweislich dieses Grabsteines starb er 1579 als Beschützer des evangelischen Glaubens. Seine Linie erlosch 1629 mit Emich II. von Dhaun. Gemäß Testaments fiel seine seine Herrschaft und damit Gerbach an die Linie derer von Oberstein. Emichs Schwester Sidonia, Gemahlin des Oswald von Löwenhaupt verzichtete auf ihr Erbe (1576) und so erhielten Franz Christoph und Lothar von Oberstein n die Grafschaft Falkenstein. Allein zu Anfang des 17. Jahrhunderts verkaufte Georg Rudolf von Oberstein (der letzte seines Stammes) seine Güter zu Gerbach und St. Alban und Rumbach an den Ritter Hans Wolf von Eltz (Wolfäcker?). Mit diesem Georg Rudolf erlosch, wie gesagt, die Obersteiner Linie 1634 und die ganze Grafschaft fiel in Folge Erbordnung an Wilhelm, Wyrich von Broich (Bruch) und Emich II. aus der älteren Linie derer von Bruch, die 1642 durch den Herzog Karl von Lothringen damit belehnt wurden. Es entstanden nun eine Menge Erbstreitigkeiten zwischen dem Herrn von Löwenhaupt (Sidonis Gemahl), den schon erwähnten Herren von Manderscheidt, den Grafen von Falkenstein und dem Herzog von Lothringen.


Wenn ein Geschichtsschreiber sagt, "das Amt Falkenstein sei vor dem 30-jährigen Kriege eines der reichsten, zufriedensten und bestverwalteten Gebiete gewesen", so ist es wohl begreiflich, in welcher Liebe Herrschaftshaus und Volk verbunden waren. Der Lehensherr Karl von Lothringen wußte nur zu gut, was zu ge­winnen war, als er im Jahre 1636 seine Hand auf dieses Ländchen legte, dafür aber ebenfalls 30 Jahre im Kampfe lag mit dem rechtmäßigen Erben, dem letzten Falkensteiner im Mannesstamme, eben obengenannten Wilhelm Wyrich von Falkenstein, Dhaun und Broich (1636-1665). Wenn wir nun hören "kein Land mußte in diesem unseligen Kriege so leiden als gerade dieses Gebiet, vergrößert noch durch die Erbstreitigkeiten", so können wir uns einen ungefähren Begriff machen von dem Zustande dieses Ländchens. Dieser letzte Erbe, Wilhelm Wyrich, war auch geplagtest. Zwar wurde ihm von der damaligen deutschen Reichsregierung sein Recht bestätigt und 1648 durch die westfälische Friedensakte ihm Falkenstein zugesprochen, ihm auch energi­sche Hilfe versprochen und als Vollzieher der Reichsgewalt wurden der Bischof von Mainz und der Landgraf von Hessen ernannt. Dieselben fürchteten sich, in anbetracht des starken Gegners den Auftrag zu erledigen und erklärten, dies zu tun sei nicht ihre Sache, sondern gehöre in den Kreis Worms. Wilhelm Wyrich trat 1686 sein Erbe an, mußte aber seinem Lehensherrn, dem Herzog von Lothringen weichen. Es traten um die schon erwähn­ten 3 Linien im Kampfe um das Erbe auf:


1. Der Herzog von Lothringen


2. Wilhelm Wyrich


3. Löwenhaupt und Manderscheidt


So tobte der Streit mit Feder und Schwert, von Gericht zu Gericht lange hin und her. Der Stärkere war der Herzog von Lothringen, der kurzer Hand Schloß und Lande besetzte (Nordpf. Gesch.Bl. 1908, Seite 84).


Zu Zeilers Topographie der Pfalz, S. 62 heißt es vom Falkenstein: "Das Schloß ist vest, so anno 1644 im Februario von den Franzosen aus Hagenau durch ein Anschlag erstiegen, die darin gelagerten Lothringer ge­fangen und eine große Summe Geltes, etwa 60.000 Reichsthaler, selbigem Herzog (nämlich von Lothringen) zuständig, darin gefunden worden und davon gebracht". Herzog Karl von Lothringen, der die Falkensteinischen Güter trotz Entscheidung der Friedenskommision an sich zu´bringen suchte, legte in das Schloß trotz der Verheerungen und Verwüstungen im 30-jährigen Krieg auch noch demselben eine lothringi­sche Besatzung. Der Oberlehensherr von Falkenstein, Herzog Karl IV. von Lothringen, war wegen Beleidigung des spanischen Statthalters in Brüssel verhaftet worden, da er allgemein als unverträglich und herrschsüchtig galt, so benützten seine Feinde die willkommene Gelegenheit. Auch die Bauern der Herrschaft Falkenstein hat­ten schwer unter lothringischer Herrschaft gelitten und sehnten sich nach Freiheit. Etwa 100 Mann aus den be­nachbarten Dörfern Marienthal, Gerbach, St. Alban, Dielkirchen u.a.m. schlichen sich in der Nacht vom 13. auf 14. März 1654 (angeführt von Wyrich mit rheingräflichen Truppen) an das Schloß heran. Schwere Wolken, vom Mondviertel nur von Zeit zu Zeit einen Lichtblick gestattend. Sorglos war Kommandant und Besatzung. Des Schloßes Verteidigungswerke hatten durch vorhergehende Kämpfe und Zerstörungen sehr gelitten und waren in baufälligem Zustande; eine, wie der Kommandant wußte, unzufriedene Umgebung hätte doppelte Vorsicht geboten. In tiefer Ruhe lag des Schloßes Besatzung, als dunkle Gestalten von Nord und Ost den Berg bestiegen. Ehe Wache und Besatzung sich zur Wehr setzen konnten, war die Burg auch schon genommen. Die Stürmer hatten nämlich, als sie die äußere Wache erstiegen hatten, bis Tagesanbruch gewartet. Als sich nun bei Morgengrauen die Tore öffneten, um die Außenwache abzulösen, stürzte der wütende Haufen auf die Ablösetruppe. Wohl wurden mehrere Bauern erschossen, aber die anderen drangen unaufhaltsam vor und ge­langten in das Schloß. In dem nun folgenden Durcheinander wurde der lothringische Oberst und Kommandant der Burg Weingart ,"ein kalter, herzloser Mann, ebenso rauh wie seine Zeit, der die Einwohner bis aufs Blut gepeinigt und vor dem Selbst die Armut, das Leben nicht mehr geschützt, der Geßler des Landes, der nur eine Tugend hatte, in allen Dingen seinem Herrn treu und ergeben zu sein", erschossen. Auch nach Winnweiler waren die empörten Scharen gezogen, wo sie das Schloß stürmten, um ebenso wie in Falkenstein zu verfahren. Unterdessen aber war der "Amtskeller" in Rockenhausen, Oberamtmann von Schellarth nach Falkenstein geeilt und nahm für seinen Herrn (Wilhelm Wyrich) Besitz von Falkenstein, denn der Herzog von Lothringen, wie wohl nur Lehensherr, betrachtete sich als unumschränkter Gebieter des Ländchens, das er dem rechtmäßigen Erben, diesem Wilhelm Wyrich nicht zukommen lassen wollte.


Auf dem Schreibtisch des obengenannten Kommandanten Weingart fand man folgendes Schriftstück: "1645 hat ermalter Graf (gemeint Wilhelm Wyrich) mich dahin bereden wollen, ihm das Schloß zu übergeben und wenn ich mich weigere, so Mittel genug habe, um ein solch herrenloses Gesindlein aus seinen Gütern zu bringen.

1651 hat ermalter Graf Wyrich, die Untertanen der Grafschaft hintergangen und dieselben zu rebellieren an­gegangen, auch gegen das Haus Lothringen gehandelt. Es sei ihm somit möglich geworden, daß anno 1652 et­liche Dorfschaften so weit hintergangen und eingebildet, daß dieselbige aus den Falkensteinischen Lehen, nicht degentieren (abhängen) sollten und sie der Eidt und Pflühten, so Sie mir in Namen Ihrer Hochfürstlichen Gnaden geleistet, vermeitlich erlassen, dieselbe mit Rheingräflichen Soldaten in die Gewehr gehen tun und ge­gen Versprechen eine Landstuhler Parthey ad 23 Mann ermit verfolgt, unangesehen dieselbe ihnen das gering­ste nicht getan, noch zu tun begehrt bey Falkenstein auf Ihre hochfürstlichen Gnaden Grund und Boden aufge­passet und nach gegebenem Quartier, von Landes Kinder jämmerlich ermordet. Auch stehen genannte Dorfschaften noch uff diese Stund mit den Rheingräflichen Soldaten in den Gewehr, und sich Grund und Boden ist, wozu die Herren Rheingrafen als gute Versallen sich mit gebrauchen lassen sollten..." Aus diesen und an­de­ren Vorkommnissen, deren Weingart noch mehr aufzählt, schließt er, daß die "Dhunschen Erben" (also W. Wyrich) die Grafschaft Falkenstein längstens verwirkt hatten und seinem Herren (Lothringen) verfallen sei. Was nun an der ganzen Sache am meisten interessiert, ist die Tatsache, daß die Gerbacher gleichfalls zu den rechtmäßigen Falkensteiner hielten und sich bei dem beschriebenen Kampfe aktiv beteiligten. Des aussichtslo­sen Kampfes müde, verkaufte Wyrich von Dhaun und da er auch auf andere Art nicht zu seinem Recht kommen konnte, endlich 1667 die Grafschaft Falkenstein an den Herzog Karl von Lothringen und die Untertanen wur­den ihres Eides gegen Wilhelm Wyrich entbunden. In demselben Jahre wurde die Burg Falkenstein durch kur­pfälzische Truppen vollständig zerstört. Die Ursache war folgende: Der Herzog von Lothringen hatte im 30-jährigen Krieg treu auf Seite des deutschen Kaisers insbesondere gegen Frankreich gekämpft. Da er aber für geleistete Dienste vom Reiche keinerlei Entschädigung erhielt, so besetzte er die Schlösser Homburg, Landstuhl und besonders Hohenecken mit lothringischen Truppen, die besonders die umliegenden kurpfälzischen Herrschaften schwer heimsuchten, die Ratsprotokolle der Stadt Kaiserslautern sind voll von Klagen über die Taten der Lothringer. Der Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz verband sich daher mit dem König von Frankreich und eroberte rasch Hohenecken und Landstuhl, ehe der Prinz von Vandemont, der die Falkensteiner Herrschaft von seinem Vater erhalten sollte, denn vom Herzogtum war er ausgeschlossen, das Kurfürstlich-Pfälzische Heer bei Bingen schlug. Er konnte aber den Sieg nicht ausnützen, da der König von Frankreich dem Herzog von Lothringen Schwierigkeiten bereitete. Die Lothringer zogen deshalb trotz des Sieges ab und die nachrückenden Pfälzer zerstörten die alte Veste (Zink). Gegen den Prinzen von Vandemont wandten sich die Grafen von Manderscheidt in einer Beschwerde an den Kaiser. Aber erst 1684 sprach die franz. Reunionskammer zu Metz dem Prinzen die Grafschaft ab. Da aber der Ryswicker Friede 1697 alles wieder in den vorigen Stand setzte, so verlangte neuerdings der Prinz die Grafschaft und erst nach langem Streite (Karl von Lothringen hatte sich inzwischen mit den Herren von Löwenhaupt und Manderscheidt verglichen) behielt das Haus Lothringen die Grafschaft wirklich (1731). Neben diesen Streitigkeiten, war auch der Kampf mit der Kurpfalz über deren Wildfanggerechtigkeit hergelaufen, welcher durch den Herzog Franz Rephan von Lothringen beendigt worden war und zwar so, daß dem Kurfürsten von der Pfalz gegen Verzicht auf seine Rechte einige Dörfer abgetreten worden waren. Dieser letzte Herzog von Lothringen Franz Rephan, Gemahl der Maria Theresia und spätere Kaiser Franz I. von Österreich, brachte Falkenstein an Österreich, und da kurz zuvor die Linie derer von Bruch im Mannesstamme erloschen war, blieb es in ungestörtem Besitz bis 1794, nominell bis zum Frieden von Luneville im Jahre 1801. Kaiser Joseph II. legte sich auf Reisen inkognito gern den Titel eines Grafen von Falkenstein bei. Die Bestandteile der Grafschaft waren zuletzt:


1. Das Oberamt Falkenstein zu Winnweiler

2. Die mit Pfalz-Zweibrücken gemeinschaftliche Herrschaft Stolzenburg

3. Die sogenannte Wirichshube



-Das Oberamt Falkenstein zu Winnweiler -


Die gräfliche Verwaltung hatte ihren Sitz zu Winnweiler aufgeschlagen und war bis zum Ausbruch der franzö­sischen Revolution der österreichischen Regierung des Breisgaues zu Freiburg in der Eigenschaft eines Oberamtes unterstellt. Es umfaßte folgende Gemeinden bzw. pfälzische Dörfer: Alsenbrück-Langmeil, Imsbach, Oberbörrstadt, Falkenstein, Jakobsweiler, Schweisweiler, Hochstein, Höringen, Potzbach, Lohnsfeld, Gerbach und St. Alban, Hengstenberg (Hengstbacherhof), Obergaugrehweiler, Kalkofen, Albisheim, sowie ei­nige hessische Dörfer.



-Die Herrschaft Stolzenberg -


mit Zweibrücken gemeinschaftlich, bestand sie aus den Dörfern Stahlberg, Dielkirchen, Steingruben, Steckweiler, Bayerfeld und Cölln samt den Höfen Althof, Schneeberg, Gutenbach, Schmalfeld, Bremrich, Weidelbach, Hanauerhof, sowie einigen anderen in den Kantonen Winnweiler, Rockenhausen und Kirchheimbolanden liegenden Höfen.



-Die Wirichshube -


Die Hälfte der Herrschaft Wilenstein bei Trippstadt in sich greifend.



Das mehrfach erwähnte Falkensteiner Wappen kann man auf den Grenzsteinen der Gerbacher Gemarkung mit den Buchstaben K.G.F. (kaiserliche Grafschaft Falkenstein) in großer Zahl antreffen, meistens mit je einer Jahreszahl in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts versehen. Ritter Hans Wolf von Eltz, dessen Sohn Rudolf Friedrich, mußte seine Güter zu Altenschneeberg, Gerbach, St. Alban und Steinbach 1665 einem Herrn Johann Christoph von Schellarth käuflich überlassen, unter dem, die im 30-jährigen Kriege diesen Dörfern ge­schlagenen Wunden wieder geheilt wurden. Jedenfalls war dieser Schellarth der genannte "Amtskeller" in Rockenhausen. Es ist bei diesen Käufen, wahrscheinlich Verkäufen, von Eltz und Schellarth zu beachten, daß dabei nur von Gütern bei Gerbach etc. die Rede ist, nichts von Gericht und Dorf. Den Untertanen des Hauses Österreich in der Grafschaft Falkenstein scheint es gut gegangen zu sein, hingen sie doch, wie berichtet wird, mit großer Liebe an dem Hause Österreich.

Für die unter 1.) aufgeführten Dörfer des Oberamtes Falkenstein, ist ein Erlaß des Kaisers Joseph II. bemerkenswert, der das Kaffeetrinken erschwerte (unter dem 10. Oktober 1781 ergangen). Das eigenhändige Dekret dieses sonst so aufgeklärten und seiner Zeit weit vorausgeeilten Fürsten, wird jetzt in der Sammlung pfälzischer Altertümer auf dem Schloß zu Heidelberg aufbewahrt und lautet nach der damaligen Rechtschreibung folgendermaßen:

"Der Caffee trinken will, der solle seinem Pfarrer einen Dugaten alljährlich allmosen geben vor die Liantz (Erlaubnis), er mag catholisch oder protestantisch seyn, immer bei seinem Pastor, und der gemeinds und Kirchen Vater sollen wegen der richtigen Bezahlung die Aufsicht haben."

Häberle: Nordpf. Gesch.Bl. 1906, Seite 8 bemerkt dazu: "Ob die Verordnung strikte durchgeführt und der be­absichtigte Zweck erreicht wurde, erscheint zum mindesten zweifelhaft. Heute wenigstens würde wohl kein Falkensteiner auf seinen geliebten Kaffee verzichten, wenn auch die Abgabe noch höher wie damals (Dukate = 9,60 Mark) hinaufgeschraubt würde."

An die Kaiserin Maria Theresia erinnert die Theresienkapelle bei Winnweiler und der Theresienhof bei Börrstadt.



-Franzosenherrschaft- --


Die Truppen des franz. Nationalkonvents besetzten im Januar 1794 das Falkensteiner Land. Wie viel Elend die Franzosen über das seit Jahrhunderten schon ausgesogene Ländchen brachten, geht aus den Worten eines Aufrufes hervor, den die österreichische Regierung erließ, "um für die verarmten Bewohner zu sammeln. Ihr Obdach ist der Himmel, ihr Lager die Ruinen ihrer Hütten, ihre Kleidung Lumpen und Fetzen, ihre Nahrung er­betteltes Schimmelbrot", und weiter: "Die armen Menschen in ihren vorigen Wohlstand zu setzen, werden jahrfünfzige erfordern. Aber lindern wir ihr Elend, verringern wir ihren Kummer, decken ihre Blöße, stillen ih­ren Hunger, trocknen ihre Tränen!".

Dieser Aufruf war mit einer Kollekte in den österreichischen Erbstaaten verbunden. Es gingen 16.300 fl. ein. Davon kamen 9.138 Gulden und 53 Kreuzer auf 25 Falkensteiner Gemeinden des Rheinkreises; sie wurden nach der Familienanzahl der Gemeinden verteilt (21.08.1828). Es sollte aus den Geldern ein Lokalarmenfonds gebil­det werden. Es erhielten Gerbach mit 73 Familien (incl. Alt-Schneebergerhof) 673 fl. und 12 Kreuzer. St. Alban mit Hengstenberg mit 57 Familien 525 fl. 39 Kreuzer (ausführlicheres über die Franzosenherrschaft s. Nordpf. Gesch.Bl. 1907, S. 65-69; 57-60; 49-53; 41-43; S. 73-76; 89-92 Jahrgang 1908 S. 1-4).

Die zu Frankreich gekommenen Länder wurden in Departements eingeteilt. Gerbach und St. Alban gehörten zum Departement Donnersberg, Regierungssitz Mainz mit 31 Kantonen (s. Nordpf. Gesch.Bl. 1907, S.73). Unsere Gemeinden gehörten zum Kanton Kirchheimbolanden. 1816 kam Falkenstein mit der rheinischen Pfalz an Bayern und damit der Kanton Kirchheimbolanden zum Bezirk Kaiserslautern. 1817 wurden Gerbach und St. Alban dem Kanton Rockenhausen zugeteilt, blieben aber bis zur Neueinrichtung des Bezirksamtes Rockenhausen beim Landkommissariat, bzw. Bezirksamte Kirchheimbolanden.

-Das Ländchen erfreute sich seit dieser Zeit eines Friedens, den es nie zuvor gesehen. Allerhand Sagen und Lieder erhalten im Volke das Gedächtnis an vergangene Zeiten wach. Droben auf dem Felsen von Falkenstein ist es im Frühling gar herrlich. Hoch in die Luft ragen die mächtigen Mauerreste der alten Veste; Hoch über die Burg hinweg ragen die Kuppen des Donnersberges mir ihren Buchen und Eichen und laden uns ein, Ritterzeit und Ritterstreit zu vergessen und an Gottes ewig junger Natur uns zu erfreuen. Und drunten schlängelt sich ein Bächlein durchs enge Tal bis es nach kurzem Laufe die Alsenz erreicht. Wo einst ein tatenfrohes Geschlecht sich tummelte, da vernehmen wir nunmehr das Pochen der Hammerwerke, das Sausen der Räder, das Zischen des Dampfes. Das Eisenwerk Hochstein mit der Kupferschmelze hat nicht nur Leben und Weben, sondern auch Sagen genug ins Tal gebracht, wo einst die Herren nur Zehnten und Fronden forderten, -"Der Alte stürzt; es än­dert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen."- --

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--Gerbach in der Weltliteratur- --


Johann Jakob Christoph von Grimmelshausen, der Verfasser des


"Simplizius Simplizissimus"



ließ 1660 die Erzählung "Seltsame Traumgeschicht von Dir und Mir" erscheinen. Darin erzählt er, wie er einmal ein Gastmahl an einem fürstlichen Hofe mitmachte. Er sei dabei mit dem Fürsten und zuletzt mit einem Stutzer (Geck) ins Gespräch gekommen. Derselbe habe ihm sehr witzig von seinen getanen Reisen erzählt. Auf einer derselben habe ihn ein "reicher Morian" (reicher Kerl) in seinen Lustgarten (Schloß zu Winnweiler) geführt, wo neben vielen Wasserkünsten auch eine "Laute" zu sehen war, die von einer Windmühle getrieben wurde.


Hier heißt es nun im Simplizissimus wörtlich:


"Wisse sich wohl zu erinnern, daß damalen der Morian das in Teutschland bekannte Liedlein: "Seid ihr der Herr von Falkenstein?" darauf habe spielen lassen, daran er seither oft gedacht, als es die Gerbacher vollen Bauren zu Winnweiler singen müssen, und noch das Gesetz (Refrain) daran gehängt: "Muß - essen seie ein bö­ses Essen." Haben sich aber nicht laut dürfen hören lassen...........".


Der Grimmelshausen-Forscher Dr. A. Bechthold aus München, ließ in der Ausgabe der "Goldenen Klassikerbibliothek" die Traumgeschicht mit obiger Stelle aufnehmen, wodurch Gerbach in die Weltliteratur eingegangen ist.

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--Die Deutung des Wappens von Gerbach- --


Aus dem Weistum des Jahres 1480 von Gerbach - St. Alban



Weistum bedeutet Rechtssprüche.

GER - BACH früher war GER ein Winkel, also ein Bach aus dem Winkel kommend. Dieser Winkel war bei dem Einmünden zwischen Gerbach (Braunbach) und Appel gegeben.


Eine Deutung ist aber auch aus der Beschreibung des Gerichtsbezirkes ableitbar, die 1480 lautete:

Dies nachfolgend ist unser scheffen deß gerichts zu saint elban undt gerpach wisthumb, desz unser eltern auf uns bracht haben und weiszen, daß mit dem eydt und mit recht, als dann unser voreltern auch gethan haben. Zum ersten weiszen wir den bezirk, der do angeht am alten galgen, ist ein alter baum, genannt am froschpuele bis in den hoferborn. Von hoferborn an bis an heinschbachertrift, von heinschbachertrift bis an heinschbacher­born, von dannen über die appel bis an ein stein, der do steht unten an sandbosch, von dannen further bis an ein stein, steht im horn zu schledich, von dannen bis an den schledicher weg an der buchen, von dannen bis an ein stein steht bei hemelhecken, von dannen further bis an einen stein, steht bei der senden, genannt wolfswiese, von dannen further bis an ein stein, steht oben am hindersten schneebergerflur, von dem further bis an den kriegs­felder wald, von dannen further bis an den hinterwald, von brunbach (heute Braun-Schwarzbach) innen gen gerpach, von dannen die bach innen bis an die appel, von der appel über zu dem melborn und von melborn bis wieder an den alten galgen, do der bezirk angegangen ist."


Das Landesarchiv zu Speyer teilt in einem Schreiben vom 21.1.1983 mit, daß die Annahme, einer Ansiedlung von Fröschen am Froschpuel mit Weidenbaumbestand, möglich sein könnte. Es könnte aber auch von einem Übernamen ableitbar sein, wie auch ein vielleicht von der Herrschaft verliehenes Ortszeichen sein.

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